EUROPÄISCHE KOMMISSION
Brüssel, den 2.10.2025
COM(2025) 583 final
BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
über die Durchführung, die Ergebnisse und die Gesamtbewertung des Europäischen Jahres der Kompetenzen
{SWD(2025) 283 final}
1. Einleitung
Das Europäische Jahr der Kompetenzen (im Folgenden „Europäisches Jahr“) wurde von der Präsidentin der Europäischen Kommission in ihrer
Rede zur Lage der Union
2022 als Reaktion auf den kritischen Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel in Europa angekündigt: „Der Mangel an Personal ist eine Herausforderung für Europas Unternehmen. Wir müssen viel stärker in Aus- und Weiterbildung investieren. Deshalb schlage ich vor, 2023 zum Europäischen Jahr der Kompetenzen zu machen.“
In fast drei Viertel (74 %) der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, und die Kommission hat 42 Berufe ermittelt, in denen ein solcher Mangel in verschiedenen Wirtschaftszweigen besteht. Schätzungen zufolge erfordern 90 % der Arbeitsplätze digitale Kompetenzen. Mehr als ein Drittel der Arbeitskräfte verfügt jedoch nicht über die für die meisten Arbeitsplätze erforderlichen digitalen Kompetenzen. Dieser Mangel geht mit einer zunehmenden Kluft im Schulungsbereich einher: So nehmen nur 39,5 % der Erwachsenen jährlich an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Trotz dieser Herausforderungen bestehen auch Chancen: Im grünen und im digitalen Sektor ist ein erhebliches Beschäftigungswachstum von 3,5 Millionen neuen Arbeitsplätzen zu erwarten. Zudem gibt es ein erhebliches ungenutztes Potenzial bei unterrepräsentierten Gruppen wie Frauen, jungen Menschen, die weder arbeiten noch eine Schule besuchen oder eine Ausbildung absolvieren (NEET), Geringqualifizierten, älteren Arbeitnehmern und Menschen mit Behinderungen.
Dieser Bericht enthält einen Überblick über die Durchführung und die Ergebnisse des Europäischen Jahres im Einklang mit Artikel 7 des Beschlusses (EU) 2023/936 (im Folgenden „Beschluss über das Europäische Jahr der Kompetenzen“). Diesem Bericht ist eine Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen beigefügt, in der die Durchführung, die Ergebnisse und die künftigen Maßnahmen des Europäischen Jahres dargelegt werden.
2. Politische Ergebnisse und neue Ideen
Das übergeordnete Ziel des Europäischen Jahres bestand darin, eine Denkweise zu fördern, in der Weiterbildung und Umschulung die Norm sind. Um dies zu erreichen, zielte das Europäische Jahr darauf ab, Investitionen zu fördern, die Relevanz von Kompetenzen durch Zusammenarbeit zu erhöhen, Menschen auf Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt abzustimmen und Fachkräfte anzuwerben.
Das Europäische Jahr beinhaltete eine umfassende, über das ganze Jahr stattfindende politische Diskussion mit Interessenträgern über die Rolle von Kompetenzen und politische Maßnahmen zur Förderung von Kompetenzen. Die Debatte hat gezeigt, dass die europäischen Länder aufgrund des raschen technologischen Wandels, der demografischen Alterung und des Rückgangs der Erwerbsbevölkerung in der EU in Verbindung mit dem Bedarf an resilienten industriellen Ökosystemen und Lieferketten mit sehr ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass diese Entwicklungen den Bedarf an besser qualifizierten Arbeitskräften in Europa erhöhen, die in der Lage sind, auf den raschen Wandel des Kompetenzbedarfs zu reagieren.
2.1 Kompetenzen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas
Im Rahmen der Gespräche während des Europäischen Jahres wurde hervorgehoben, dass Kompetenzen ein strategischer Vorteil für die Produktivität Europas und eine wesentliche bereichsübergreifende Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit in allen Wirtschaftszweigen sind, auch für den ökologischen und den digitalen Wandel, wie im Kompass für eine wettbewerbsfähige EU zum Ausdruck kommt. Diese Botschaft wurde im Laufe des Europäischen Jahres immer wieder bekräftigt und gab Impulse für die Integration von Kompetenzen in ein breites Spektrum von Maßnahmen im Rahmen von mehr als 190 neuen Initiativen, die durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Union umgesetzt wurden.
Das Europäische Jahr hat die Kompetenzen in den Mittelpunkt der politischen Agenda der EU gerückt. Kompetenzen wurden mit Ausnahme einer in allen der im Arbeitsprogramm der Kommission für 2024 vorgelegten Initiativen und in den politischen Leitlinien für das Mandat 2024-2029 der Kommission behandelt.
Der bereichsübergreifende Charakter der Kompetenzen wurde auf Ministerebene bekräftigt, als der Rat (Wettbewerbsfähigkeit) im Mai 2024 Schlussfolgerungen zu den Themen „
Eine wettbewerbsfähige europäische Industrie als Motor für unsere grüne, digitale und widerstandsfähige Zukunft
“ und „
Ein Binnenmarkt zum Nutzen aller
“ annahm.
Die Interessenträger betonten während des Europäischen Jahres, dass die Kompetenzen für den grünen und den digitalen Wandel dringend gefördert werden müssen. Die Kommission stellte den
Industrieplan zum Grünen Deal
vor und nahm die
Netto-Null-Industrie-Verordnung
an, die die Einrichtung von Akademien für eine klimaneutrale Industrie vorsieht, um Arbeitskräfte in strategischen Technologien wie
Batterien
,
Solarenergie
,
Wasserstoff
,
Rohstoffen
und
Windenergie
weiterzubilden und umzuschulen. Jede Akademie soll innerhalb von drei Jahren nach ihrer Einrichtung 100 000 Arbeitskräfte weiterbilden und umschulen.
Die Ankündigung des Europäischen Jahres ebnete den Weg zur Annahme eines Pakets für digitale Bildung und Kompetenzen im April 2023. Dieses Paket enthielt Vorschläge für Empfehlungen des Rates zu den
Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche allgemeine und berufliche digitale Bildung
und für
eine bessere Vermittlung digitaler Fähigkeiten und Kompetenzen in der allgemeinen und beruflichen Bildung
, die der Rat im November 2023 annahm. Im Rahmen des Europäischen Jahres wurden Akademien für digitale Kompetenzen eingerichtet, um die Koordinierung des Schulungsangebots in den Bereichen
Cybersicherheit
,
Hochleistungsrechnen
und
Halbleiter
zu verbessern.
In engem Zusammenhang mit der Industriestrategie der EU hat der Kompetenzpakt dazu beigetragen, Arbeitskräfte in ganz Europa weiterzubilden und umzuschulen, um dem wachsenden Bedarf der Industrie gerecht zu werden. Der Pakt umfasst inzwischen 20 groß angelegte Partnerschaften in 14 industriellen Ökosystemen. Seit 2022 hat er dazu beigetragen, 3,5 Millionen Menschen zu schulen, und bis 2030 sollen 25 Millionen Menschen weitergebildet und umgeschult werden.
Mehrere andere Initiativen förderten sektorspezifische Kompetenzen. Durch die Überarbeitung der Richtlinien über
erneuerbare Energien
und
Energieeffizienz
wurde die Unterstützung zertifizierter Kompetenzen im Bereich der sauberen Energie ausgeweitet. Im Rahmen der Initiative
BUILD UP Skills
wurden Fachkräfte weitergebildet, um die Energieeffizienz von Gebäuden in 15 Mitgliedstaaten zu verbessern. Um die Zahl der IKT-Fachkräfte zu erhöhen, werden im Rahmen des Programms „Digitales Europa“ spezialisierte Schulungen finanziert. Das Programm EU4Health bietet Schulungen für Fachkräfte im Gesundheitswesen mit Schwerpunkt auf digitalen Kompetenzen.
ComPAct
unterstützt die öffentlichen Verwaltungen in der EU bei der Verbesserung der Kompetenzen. Kompetenzen waren ein zentraler Schwerpunktbereich der 44 EU-Ausschüsse für den sektoralen sozialen Dialog, die Maßnahmen umgesetzt, Erklärungen abgegeben oder den breiteren sektoralen Bedarf an der Kompetenzentwicklung als Reaktion auf sich wandelnde Industrielandschaften erörtert haben.
Die berufliche Aus- und Weiterbildung wurde 2023 und 2024 durch Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen im Rahmen von Erasmus+ gestärkt, um Arbeitskräfte- und Kompetenzdefizite in strategischen Sektoren zu schließen und den ökologischen und den digitalen Wandel voranzutreiben. Im Mittelpunkt dieser Aufforderungen standen die Attraktivität der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die verstärkte Mobilität von Auszubildenden, die Umschulung von Arbeitskräften, Frauen in grünen Technologien, Microcredentials und Arbeitsmarktregister.
2.2 Investitionen in Kompetenzen
Im Laufe des Europäischen Jahres wurde die gemeinsame Auffassung offenbar, dass Kompetenzen ein entscheidender Faktor für Wachstum sind, da sie den Einzelnen stärken und die Produktivität der Unternehmen steigern. Die EU investiert über 150 Mrd. EUR in Bildung und Kompetenzen. Die EU-Investitionen in Kompetenzen werden voraussichtlich die Beschäftigung und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigern. Eine Erhöhung der Investitionen in Kompetenzen für junge Arbeitskräfte um 0,1 Prozentpunkte könnte langfristig zu einem Anstieg der Gesamtbeschäftigung um 0,25 % und des BIP um etwa 0,18 % führen, d. h., die Anfangsinvestitionen zahlen sich überproportional aus.
Das Europäische Jahr hat Überlegungen darüber angestoßen, wie Finanzmittel in Kompetenzen investiert werden, und es wurde anerkannt, dass Kompetenzen als Investition und nicht als Kosten zu betrachten sind. Im Mittelpunkt dieser Diskussionen standen Strategien zur Maximierung der Wirkung von Investitionen in Kompetenzen. Um besser zu verstehen, welche Rolle Investitionen in Kompetenzen bei der Steigerung der Produktivität spielen, wurde vereinbart, dass eine bessere kostenbasierte Messung ihrer Auswirkungen erforderlich ist. Besonderes Augenmerk galt auch der Verbesserung des Zugangs zu Finanzmitteln, insbesondere für KMU. Im Mai 2023 zeigte eine
Flash-Eurobarometer-Umfrage
, dass KMU stark vom Fachkräftemangel betroffen sind, und die Notwendigkeit einer gezielten Unterstützung wurde hervorgehoben. Daraufhin wurde im September 2023 das
KMU-Entlastungspaket
angenommen.
Des Weiteren wurde bestätigt, dass die EU-Finanzierung als Katalysator wirkt, der andere Finanzierungsquellen anzieht und die Erprobung neuer, innovativer Ansätze bei der Finanzierung der Kompetenzentwicklung, einschließlich öffentlich-privater Partnerschaften, erleichtert. Während des gesamten Europäischen Jahres förderten öffentlich-private Partnerschaften wie der Kompetenzpakt, Blaupause-Allianzen, Zentren der beruflichen Exzellenz und Kompetenzakademien weiterhin gemeinsame Investitionen in die Weiterbildung. Im Jahr 2024 wurden rund 15 neue Zentren der beruflichen Exzellenz ins Leben gerufen, und die Europäische Ausbildungsallianz verzeichnete mit über 450 Zusagen, 40 nationalen Verpflichtungen und 2,5 Millionen Ausbildungsangeboten ein erhebliches Wachstum.
2.3 Gemeinsame Aktionen für Kompetenzen
Durch die während des gesamten Europäischen Jahres geführte Debatte wurde aufgezeigt, wie komplex die Steuerung von Kompetenzen ist und dass eine wirksame Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen Industrie, Arbeitsmarkt, Bildung und anderen Politikbereichen erforderlich ist.
Durch das Europäische Jahr wurde die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen gefördert. Auf nationaler Ebene nahmen die nationalen Koordinatoren eine Schlüsselrolle bei der Förderung von ressortübergreifenden Ansätzen für die Steuerung von Kompetenzen ein. In mehreren Ländern wurden neue oder verbesserte Steuerungs- und Interessenträgergremien geschaffen. Das Europäische Jahr förderte eine engere Zusammenarbeit zwischen den Ländern, beispielsweise durch die Unterzeichnung einer
Vereinbarung
durch Griechenland und Zypern. Die
Gemeinsame Erklärung der nationalen Koordinatoren des Europäischen Jahres der Kompetenzen
ist ein deutliches Zeichen für das Engagement der nationalen Koordinatoren, weiterhin intensiv an Kompetenzen zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass die durch das Europäische Jahr geschaffene Dynamik in Zukunft aufrechterhalten und darauf aufgebaut wird.
Im Europäischen Jahr wurde ebenfalls die zentrale Rolle des sozialen Dialogs für die Kompetenzentwicklung und für die Unterstützung von Arbeitskräften und Unternehmen bei der Bewältigung des grünen und des digitalen Wandels hervorgehoben. Am 19. Oktober 2023 wurde von den Vorsitzen des Rates der EU, der Kommission und den Sozialpartnern der EU die vom spanischen Vorsitz initiierte
Dreiseitige Gemeinsame Erklärung von Barcelona
unterzeichnet, um die dreigliedrige Partnerschaft bei der Durchführung des Europäischen Jahres zu fördern und eine breitere Kompetenzentwicklung zu ermöglichen. Die dreigliedrige Partnerschaft bildete auch in vielen Ländern den Kern der Durchführung des Europäischen Jahres.
In Gesprächen mit den Sozialpartnern und anderen Interessenträgern wurde betont, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die umfassenderen Ursachen des Arbeitskräfte- und Fachkräftemangels anzugehen, wie die schlechten Arbeitsbedingungen in bestimmten Sektoren, schlechtes Personalmanagement oder den Mangel an erschwinglicher frühkindlicher Betreuung. Im Anschluss an den Gipfel der Sozialpartner in Val Duchesse legte die Kommission im März 2024 einen
Aktionsplan
zur Bekämpfung des Arbeitskräfte- und Fachkräftemangels vor, der in Absprache mit den Sozialpartnern der EU ausgearbeitet worden war. Die Kommission hat ferner einen
Vorschlag
für eine Richtlinie zur Verbesserung und Durchsetzung der Arbeitsbedingungen für Praktikanten und einen
Vorschlag
zur Überarbeitung der Empfehlung des Rates von 2014 zu einem Qualitätsrahmen für Praktika vorgelegt, um Fragen der Qualität und Inklusivität anzugehen.
Die Interessenträger äußerten sich zu der Notwendigkeit, den Kompetenzbedarf besser vorherzusagen, und betonten, dass lokale und sektorale Ansätze sowie eine enge Zusammenarbeit der Interessenträger von entscheidender Bedeutung sind, um sicherzustellen, dass Informationen über Kompetenzen relevant sind und in Maßnahmen umgesetzt werden können. Die Kommission hat während des Europäischen Jahres das Europass-
Instrument zur Entwicklung von Arbeitsplätzen und Kompetenzen
eingeführt und eine neue Version der
Europäischen Klassifikation der Fähigkeiten, Kompetenzen, Qualifikationen und Berufe
sowie des
Europäischen Rahmens für Cybersicherheitskompetenzen
veröffentlicht.
ResearchComp
, der Europäische Kompetenzrahmen für Forscher, wurde im Juli 2023 ins Leben gerufen. Mehrere Länder arbeiteten während des Europäischen Jahres an Informationen über Kompetenzen.
Die Kommission legte in Zusammenarbeit mit dem Ausschuss der Regionen einen besonderen Schwerpunkt auf lokale Ansätze für die Kompetenzentwicklung. Im Januar 2023 wurde die Mitteilung „Talenterschließung in den Regionen Europas“ angenommen. Um den Regionen dabei zu helfen, Talente anzuwerben, auszubilden und zu halten, hat die Kommission ferner den
Talentförderungsmechanismus
und die zugehörige
Talenterschließungsplattform
ins Leben gerufen.
Das Europäische Jahr stieß weltweit auf Interesse und zeigte die gemeinsamen Herausforderungen und die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit auf. Die Europäische Kommission hat eine herausragende Rolle bei der Förderung der Themen Bildung und Kompetenzen in den Außenbeziehungen der EU übernommen. Diese Bereiche sind wichtige Investitionsprioritäten im Rahmen der
Global-Gateway
-Investitionen der EU. Das Europäische Jahr wurde bei hochrangig besetzten Veranstaltungen wie der COP 28 thematisiert und veranlasste den Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN), 2025 zum Jahr der Kompetenzen auszurufen. Die Taskforce „Talent for Growth“ des EU-US-Handels- und Technologierats förderte die Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA im Bereich Kompetenzen für Wirtschaftswachstum; sie legte eine
gemeinsame Abschlusserklärung
vor. Während des Europäischen Jahres waren mehrere internationale Organisationen wie die Internationale Arbeitsorganisation (IAO), die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) und WorldSkills aktiv beteiligt.
2.4 Stärkung der Handlungskompetenz des Einzelnen
Im Mittelpunkt des Europäischen Jahres stand die Stärkung des Einzelnen durch die Förderung einer Denkweise, in der Weiterbildung und Umschulung die Norm sind, wodurch es allen ermöglicht wird, ihr Potenzial auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft voll auszuschöpfen.
Rund 14 Mitgliedstaaten haben damit begonnen, EU-Mittel für die Entwicklung und Umsetzung individueller Lernkonten zu verwenden. Individuelle Lernkonten können dazu beitragen, das Recht auf Schulungen in der Praxis zu verwirklichen.
Die berufliche Aus- und Weiterbildung ist ein weiteres zentrales Thema. Die Interessenträger betonten immer wieder die Notwendigkeit, die Attraktivität, Qualität und Anerkennung dieses Bereichs zu steigern.
Während des gesamten Europäischen Jahres brachten die Interessenträger deutlich zum Ausdruck, dass eine solche Stärkung der Handlungskompetenz des Einzelnen die Motivation steigert und den Zugang zu hochwertiger Ausbildung am Arbeitsplatz und darüber hinaus verbessert. Neben arbeitsplatzspezifischen Kompetenzen wurde es als wichtig erachtet, Arbeitskräfte mit digitalen, bereichsübergreifenden und Lebenskompetenzen wie Resilienz, kritischem Denken sowie Finanz-, Medien- und Demokratiekompetenz auszustatten. Dies ist aufgrund der geopolitischen und klimatischen Entwicklungen, der Zunahme KI-generierter Inhalte und der Manipulation von Informationen besonders relevant. Der Rat nahm im Mai 2024
Schlussfolgerungen zu Finanzkompetenz
an. Dabei wurde hervorgehoben, dass dringend in Grundkompetenzen investiert werden muss.
Während des Europäischen Jahres wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass niemand zurückgelassen werden sollte; daher sind maßgeschneiderte Lösungen und Leitlinien erforderlich, um den Einzelnen zu unterstützen. Die Diskussionen im Rahmen des Europäischen Jahres zeigten Lücken bei der Bereitstellung von Beratungsdiensten auf; andererseits hoben sie bewährte Verfahren in mehreren Ländern hervor.
Frauen, junge Menschen, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren (NEET), Menschen mit Behinderungen und Menschen aus benachteiligten Verhältnissen wurden im Rahmen verschiedener Initiativen gezielt angesprochen. Dazu zählten i) die Aufforderung der Kommission zur Einreichung von Vorschlägen für
soziale Innovationen zur Weiterbildung benachteiligter junger Menschen
, ii) die Initiative ALMA (Aim, Learn, Master, Achieve – Anvisieren, Lernen, Meistern, Ankommen), mit der über 800 schutzbedürftige junge NEET bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt oder bei der Suche nach Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten unterstützt werden, und iii) von jungen Menschen geleitete Projekte im Rahmen des Programms Youth4OutermostRegions.
In einem Kontext, in dem die Steigerung der Produktivität für die Zukunft der EU von entscheidender Bedeutung ist, sollten alle Kompetenzen auf den Arbeitsmärkten geschätzt werden. Das Europäische Jahr hat kompetenzbasierte Ansätze (oder auch „Skills-first“-Ansätze) für die Rekrutierung und Personalentwicklung als Voraussetzung für Arbeitgeber, einen größeren Talentpool zu erschließen, und für die Menschen, ihr Potenzial auszuschöpfen, ins Blickfeld gerückt. Diese Ansätze können durch Möglichkeiten zur Validierung von Kompetenzen ergänzt werden, die das nichtformale und informelle Lernen sichtbar machen.
Die Interessenträger würdigten den Wert von digitalen Zertifikaten und Microcredentials, wenn es darum geht, diese Bemühungen zu unterstützen und Arbeitskräften in ihrer beruflichen Laufbahn im weiteren Sinne zu helfen. In den Bewertungen der Empfehlung zum Europäischen Qualifikationsrahmen und des Europass-Beschlusses vom März 2024 wurde bestätigt, dass diese Initiativen die Transparenz und das gemeinsame Verständnis von Qualifikationen und Kompetenzen sowie das Vertrauen in diese verbessern.
2.5 Anwerbung von Talenten
In den Debatten des Europäischen Jahres wurde auch daran erinnert, dass die Wettbewerbsfähigkeit der EU von ihrer Fähigkeit beeinflusst wird, weltweit Talente anzuwerben, und es wurden Gespräche darüber angestoßen, wie i) die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen und die Validierung von im Ausland erworbenen Kompetenzen erleichtert werden können, ii) die Überregulierung von Berufen auf nationaler Ebene und der Verwaltungsaufwand verringert werden können, iii) geeignete Bedingungen geschaffen werden können, die es ermöglichen, Talente aus Drittländern in Berufen mit Fachkräftemangel zu rekrutieren und zu binden, und iv) Partnerschaften mit Drittländern gestärkt werden können, um für beide Seiten vorteilhafte Möglichkeiten der Arbeitskräftemobilität zu schaffen und legale Wege zu etablieren.
Um die EU für Talente aus dem Ausland attraktiver zu machen und die Mobilität innerhalb der EU zu vereinfachen, nahm die Kommission im November 2023 das
Paket zur Kompetenz- und Fachkräftemobilität
an, das eine übergreifende
Mitteilung zur Kompetenz- und Fachkräftemobilität
mit einem Vorschlag für eine Verordnung zur Einrichtung eines
EU-Talentpools
und einer
Empfehlung der Kommission zur Anerkennung der Qualifikationen von Drittstaatsangehörigen
umfasst. Dies ebnete den Weg für die am 13. Mai 2024 erfolgte Annahme einer
Empfehlung des Rates „Europa in Bewegung“
– Lernmobilität für alle. Fachkräftepartnerschaften mit Marokko, Tunesien, Ägypten, Pakistan und Bangladesch wurden ebenfalls gestärkt, um die für beide Seiten vorteilhafte internationale Mobilität und Kompetenzentwicklung zwischen der EU und den Partnerländern zu fördern.
3. Durchführung
Im Europäischen Jahr wurde eine Debatte geführt, die verschiedene Formen annahm – eine Kommunikationskampagne, Tausende von Veranstaltungen und viele breit gefächerte Möglichkeiten des Engagements für Interessenträger sowie Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa.
3.1 Organisationsstruktur
Das Europäische Jahr war eine interinstitutionelle Anstrengung auf EU-Ebene der Kommission und ihrer Agenturen, des Europäischen Parlaments, des Rates der EU, des Ausschusses der Regionen und des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA).
Die Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration (GD EMPL) leitete die Durchführung in enger Zusammenarbeit mit anderen Kommissionsdienststellen.
Das Europäische Jahr wurde dezentral und kooperativ durchgeführt. Insgesamt 38 Länder, darunter alle EU-Mitgliedstaaten, haben
einen nationalen Koordinator
benannt. Die nationalen Koordinatoren spielten eine Schlüsselrolle.
3.2 Ressourcen
Die zugewiesenen Mittel wurden für die Kommunikationskampagne (6,75 Mio. EUR), die Organisation von Leitveranstaltungen, Sitzungen mit nationalen Koordinatoren und Sachverständigen (0,935 Mio. EUR) und einschlägige Studien (0,106 Mio. EUR) verwendet.
3.3 Kommunikationskampagne
Die Kommission organisierte auf EU-Ebene eine Kommunikationskampagne, die sich an Arbeitgeber (in erster Linie KMU), Fachkräfte, Arbeitsuchende, NEET, politische Entscheidungsträger, Interessenträger und Ausbildungsanbieter richtete.
Das umfassende Kommunikationsmaterial, das allen EU-Mitgliedstaaten in ihren jeweiligen Sprachen zur Verfügung gestellt wurde, umfasste eine
visuelle Identität
, eine interinstitutionelle
Website
und einen
Kommunikationsbaukasten
mit gebrauchsfertigen Werbematerialien, Präsentationen und Materialien für soziale Medien. Der Hashtag #EuropeanYearOfSkills wurde über 14 000 Mal beworben und verwendet.
Die Interessenträger waren wichtige Multiplikatoren. Ihre fast 7 000 Beiträge erreichten 61 Millionen Aufrufe, was darauf hindeutet, dass das Europäische Jahr eine öffentliche Debatte ausgelöst hat.
Um Wege der Weiterbildung und Umschulung in den Blick zu rücken, wurden im Rahmen des Projekts „
Real People, Real Skills
“ (Echte Menschen, echte Kompetenzen) 200 Geschichten von Personen aus 30 Ländern sowie ein
Video
präsentiert.
Video „Real People, Real Skills“
Die auf verschiedenen Ebenen durchgeführten Kommunikationsmaßnahmen erbrachten folgende Ergebnisse:
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in Millionen
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Durch Fernsehwerbung in fünf Ländern erreichte Zuschauer
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41
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Kombinierte Reichweite bezahlter Werbung in sozialen Medien, einschließlich Facebook (58 Millionen), Instagram (10,2 Millionen) und LinkedIn (860 000)
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69
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Seitenaufrufe auf der
Website der Kampagne
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3,6
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Videoaufrufe der Kampagne auf YouTube
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69
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Videoaufrufe auf der Spieleplattform Twitch
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21,4
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Durch 64 nationale Medienpartnerschaften erreichte Leser
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10,1
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Durch 32 bezahlte Influencer in den sozialen Medien erreichte Menschen
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3,01
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Personen, die Werbeplakate in Brüssel, einschl. Flughafen, gesehen haben
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4
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Ergebnisse der Bürgerbefragung
3.4 Veranstaltungen
Während des gesamten Europäischen Jahres fanden mehr als
2 100 Veranstaltungen
in 42 Ländern, darunter alle EU-Mitgliedstaaten, statt. Diese zeigten das Ausmaß des Engagements für die Förderung von Kompetenzen in einer Vielzahl von Zusammenhängen. Die Veranstaltungen wurden von Unionsorganen, Agenturen, Netzwerken, nationalen Behörden, Interessenträgern sowie Bürgerinnen und Bürgern organisiert.
Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Europäischen Jahres standen sechs Leitveranstaltungen, die jeweils auf wichtige Zielgruppen und Ziele ausgerichtet waren. Dazu zählten
·das
Festival zum Europäischen Jahr der Kompetenzen
am 9. Mai 2023 mit 7 300 Aufrufen,
·die Konferenz „
Making Skills Count
“ vom 8./9. Juni 2023 mit 1 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern,
·die
Woche der Berufsbildung
vom 23. bis 27. Oktober 2023 mit 500 nationalen und regionalen Veranstaltungen,
·das
Europäische Forum für Beschäftigung und soziale Rechte
am 16./17. November 2023 mit 2 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern,
·die Veranstaltung „
Meet the Champions of Excellence
“, die am 23. Februar 2024 gemeinsam mit dem EWSA für 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer organisiert wurde, und
·„
Das Europäische Jahr der Kompetenzen – Wie geht es weiter?
“ am 30. April 2024 mit 1 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Es fand eine Reihe von fünf Expertensitzungen statt, bei denen strategische Diskussionen über die Finanzierung von Kompetenzen, Informationen über Kompetenzen, „Skills-first”-Ansätze, Kompetenzen auf regionaler Ebene (gemeinsam mit dem Ausschuss der Regionen) und die Erforschung der Zukunft eines qualifizierten Europas im Rahmen einer Vorausschau geführt wurden.
Die Bedeutung von Kompetenzen in allen Wirtschaftszweigen wurde 2023-2024 unter anderem in den Veranstaltungen
Grüne Woche der EU
,
Europäische Woche für nachhaltige Energie
,
Europäische Codewoche
,
Europäisches Migrationsforum
,
Europäische Woche der Regionen und Städte
,
Europäisches Jugendevent
,
Europäische Jugendwoche
sowie in einer
Konferenz
zur Kompetenzentwicklung durch Reformen hervorgehoben.
Diese Anstrengungen wurden von anderen Organen und Agenturen der Union unterstützt. Das Europäische Parlament hat bei der Ausrichtung der Veranstaltung „
Skills, skills, skills!
“ (Kompetenzen, Kompetenzen, Kompetenzen!) am 20. September 2023 mit fünf EU-Agenturen zusammengearbeitet. Das Cedefop organisierte 14 Veranstaltungen und nahm an mehr als 270 kompetenzbezogenen Veranstaltungen teil, während die Europäische Stiftung für Berufsbildung 144 Veranstaltungen ausrichtete. Die Vertretungen und Delegationen der Kommission organisierten unter dem Banner des Europäischen Jahres mehr als 270 Veranstaltungen, Treffen mit maßgeblichen Interessenträgern und Kommunikationsmaßnahmen.
4. Künftige Maßnahmen im Bereich Kompetenzen
Wie Mario Draghi in seinem Bericht über die
Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit
darlegt, ist es von entscheidender Bedeutung, weiterhin in die Kompetenzen der Menschen in Europa zu investieren, um ihnen zum Erfolg zu verhelfen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft auf globaler Ebene sicherzustellen.
Aus den Diskussionen im Europäischen Jahr haben sich die folgenden zentralen Themen herauskristallisiert, die in künftige Maßnahmen im Bereich Kompetenzen einfließen werden:
Am 18. Juli 2024 stellte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem Europäischen Parlament die
politischen Leitlinien für das Mandat der Kommission 2024-2029
vor. Sie betonte:
Am 5. März 2025 nahm die Kommission die
Union der Kompetenzen
an – eine neue übergreifende Vision, die die politischen Strategien in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung und Beschäftigung verbindet, die zentral für die Wettbewerbsfähigkeit Europas sind. Ihr Ziel besteht darin, unsere Menschen in die Lage zu versetzen, solide Kompetenzgrundlagen zu schaffen und für ein erfülltes Leben an lebenslangen Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen teilzunehmen. Dadurch wird die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbessert, indem ihnen dabei geholfen wird, die Talente zu finden, die sie benötigen, um nachhaltiges Wachstum und hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. Ein weiteres Ziel besteht darin, die EU-weite Transparenz, Vertrauenswürdigkeit und Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen zu erreichen, unabhängig davon, wo sie erworben wurden.
5. Schlussfolgerung
Mit dem Europäischen Jahr wurde in ganz Europa sowie auf nationaler und regionaler Ebene erfolgreich eine Denkweise gefördert, in der Weiterbildung und Umschulung die Norm sind. Mehr Europäerinnen und Europäer sind sich der politischen Maßnahmen zur Förderung der Kompetenzen bewusst und bereit, Schulungen zu absolvieren.
Die das ganze Jahr über geführten Gespräche über Kompetenzen haben deutlich gezeigt, dass es wichtig ist, eine Kultur des lebenslangen Lernens zu pflegen und die Kompetenzsysteme umzugestalten. Dies erfordert eine strategische Vision, die durch langfristiges politisches Engagement, solide ressortübergreifende Ansätze, eine umfassende Einbeziehung der Interessenträger und eine angemessene Finanzierung unterstützt wird.
Die Interessenträger würdigen zwar, dass das Europäische Jahr ein wichtiger Ausgangspunkt ist, fordern aber nachdrücklich die Herstellung einer nachhaltigen Dynamik und erkennen die Notwendigkeit einer dauerhaften Veränderung der Denkweise an.
Mit Blick auf die Zukunft wird die Kommission auf den Ergebnissen des Europäischen Jahres aufbauen, um die Durchführung von Initiativen voranzubringen, die darauf abzielen, Kompetenzdefizite zu beseitigen und in eine neue Ära der kontinuierlichen Weiterbildung und Umschulung einzutreten, um eine Union der Kompetenzen zu schaffen, die die Wettbewerbsfähigkeit und Vorsorge der EU unterstützt. Die Kommission wird eng mit den Mitgliedstaaten, Partnerländern, Sozialpartnern, der Zivilgesellschaft und anderen Interessenträgern zusammenarbeiten. Das Europäische Jahr mag zwar vorbei sein, doch die Arbeiten zur weiteren Förderung der Kompetenzentwicklung, zur Stärkung der Resilienz des europäischen Arbeitsmarkts und zur Unterstützung der Menschen werden fortgesetzt, um ihnen Wohlstand und ein erfülltes Leben zu ermöglichen.