EUROPÄISCHE KOMMISSION
Brüssel, den 25.3.2024
COM(2024) 135 final
BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT
über die Durchführung und die Auswirkungen des Beschlusses (EU) 2018/646 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. April 2018
über einen gemeinsamen Rahmen für die Bereitstellung besserer Dienste für Fertigkeiten und Qualifikationen (Europass) und zur Aufhebung der Entscheidung Nr. 2241/2004/EG
(vorgelegt gemäß Artikel 9 des Beschlusses (EU) 2018/646)
{SWD(2024) 71 final}
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
1.1
Europass und seine Umsetzung
1.2
Überblick über die Bewertungsmethode
2.
Wichtigste Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Bewertung
2.1 Wirksamkeit
2.2 Effizienz
2.3 Kohärenz
2.4 EU-Mehrwert und Wirkung
2.5 Relevanz
3.
Gewonnene Erkenntnisse
1.Einleitung
In diesem Bericht werden die Ergebnisse der Bewertung des Beschlusses (EU) 2018/646 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. April 2018 über einen gemeinsamen Rahmen für die Bereitstellung besserer Dienste für Fertigkeiten und Qualifikationen (Europass) und zur Aufhebung der Entscheidung Nr. 2241/2004/EG durch die Europäische Kommission vorgestellt. Er wird von der Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen begleitet, in der analysiert wird, inwieweit Europass wirksam, effizient und kohärent ist, einen EU-Mehrwert bietet und weiterhin relevant ist, um den derzeitigen und künftigen Bedürfnissen gerecht zu werden. Darüber hinaus werden im Rahmen der Bewertung die Akzeptanz und die weitergehenden Auswirkungen von Europass auf den europäischen Arbeitsmarkt sowie auf die Strategien für Kompetenzen und lebenslanges Lernen untersucht. Dabei werden Aspekte wie die Verbesserung der Transparenz und die Vergleichbarkeit von Qualifikationen, Fähigkeiten und Kompetenzen sowie die Kohärenz der verschiedenen Fähigkeiten und Qualifikationsinstrumente berücksichtigt. Bei der Bewertung wird auch untersucht, inwieweit Europass Zugang zu Informationen und Beratung zu Beschäftigungsmöglichkeiten und Lernangeboten sowie zu den auf dem Arbeitsmarkt erforderlichen Qualifikationen bietet. Die Bewertung erstreckt sich auf den Zeitraum von 2018, dem Jahr der Annahme des Europass-Beschlusses, bis 2022. Der Schwerpunkt liegt auf dem Jahr 2020, dem Jahr, in dem die neue Plattform eingeführt wurde, und auf der Zeit danach. Der geografische Anwendungsbereich der Bewertung umfasst die 27 EU-Mitgliedstaaten, den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sowie die Kandidatenländer und potenziellen Kandidatenländer im Rahmen ihrer mit der EU geschlossenen Abkommen.
1.1Europass und seine Umsetzung
Europass ist eine der zwölf Maßnahmen der Europäischen Kompetenzagenda 2020, die darauf abzielt, Einzelpersonen und Unternehmen dabei zu unterstützen, mehr und bessere Kompetenzen zu entwickeln, um Weiterbildung und Umschulung zu unterstützen. Damit wird ein Beitrag zu einem sozial gerechten ökologischen und digitalen Wandel geleistet. Darüber hinaus unterstützt die Europass-Plattform direkt den Europäischen Bildungsraum und Europas digitale Dekade.
Ziel des Beschlusses von 2018 war es, Europass zu verbessern und von einem Portal mit herunterladbaren Vorlagen zu einer Dienstleistungsplattform weiterzuentwickeln. Dabei wurden technologische Fortschritte und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, in den Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung und in der Gesellschaft insgesamt berücksichtigt, die seit der ursprünglichen Einführung von Europass im Jahr 2004 eingetreten sind.
Die neue Europass-Plattform wurde von der Kommission im Juli 2020 eingeführt. Ihr Ziel ist es, eine neue EU-weite Online-Plattform bereitzustellen, die den Nutzern Zugang zu einer Reihe von Online-Tools und ‑Diensten bietet. Lernende, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Arbeitsuchende und Freiwillige können sie nutzen, um ihre Kompetenzen, Qualifikationen und Erfahrungen klar und europaweit einheitlich darzustellen. Zu den weiteren Interessenträgern zählen Anbieter allgemeiner und beruflicher Bildung, Berufsberater, Arbeitgeber, öffentliche Arbeitsvermittlungen, Sozialpartner, Träger der Jugendarbeit, Jugendorganisationen, Freiwilligenorganisationen und politische Entscheidungsträger.
Die neue Europass-Plattform ist eine zentrale Anlaufstelle, die mehrere bestehende Tools und Dienste der EU zusammenführt und den Austausch von Informationen und das Verständnis von Kompetenzen und Qualifikationen, einschließlich derjenigen, die für Mobilität, Ausbildung und Beschäftigungsfähigkeit erforderlich sind, unterstützt.
Auch wenn viele der Instrumente, Dienste und Informationen auf der Europass-Plattform bereits zum Zeitpunkt ihrer Einführung im Juli 2020 implementiert und verfügbar waren, wurden anschließend weitere Tools hinzugefügt, wie die europäischen digitalen Zertifikate im Oktober 2021, das Selbstbewertungsinstrument für digitale Kompetenzen im Dezember 2021 und das Tool Job- und Qualifikationstrends im Juni 2023.
Die verschiedenen Tools und Dienste werden regelmäßig aktualisiert, und künstliche Intelligenz und Datenanalyse werden zunehmend eingesetzt, um die Plattform besser auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer abzustimmen, z. B. durch personalisierte Vorschläge für Beschäftigungsmöglichkeiten und Lernangebote. Ziel ist es dabei, den Dienst der Plattform für Endnutzer zu verbessern, um Profile, Kompetenzen, Qualifikationen und Interessen besser mit Arbeitsplätzen, Lernangeboten und Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit usw. in Einklang zu bringen.
Die Mitgliedstaaten nehmen die im Europass-Beschluss festgelegten Aufgaben hauptsächlich über die nationalen Europass-Zentralstellen (NEC) wahr, die bereits vor dem Europass-Beschluss von 2018 bestanden. Die Zentralstellen werden auf nationaler Ebene bestimmt, arbeiten unabhängig und werden durch EU-Finanzhilfen kofinanziert. Sie unterstützen die Nutzerschaft und fördern die Dokumentation von Kompetenzen und Qualifikationen über Europass. Insgesamt tragen sie zur operativen Unterstützung und zur Förderung des Bekanntheitsgrads der Europass-Plattform, zur Vergrößerung ihrer nationalen Reichweite sowie zur Verknüpfung der Plattform mit den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern und mit ihren Bedürfnissen bei.
1.2Überblick über die Bewertungsmethode
Bei der externen Studie zur Unterstützung der Bewertung wurde ein gemischter Ansatz auf Basis von Primär- und Sekundärdaten zugrunde gelegt. Die Studie umfasste eine Überprüfung der einschlägigen offiziellen Dokumente und der Fachliteratur, Datenanalysen (Nutzerdaten der Europass-Plattform, von der Kommission bereitgestellte Kostendaten, Analysen in Bezug auf die Google-Suche und soziale Medien), die Erhebung quantitativer Primärdaten (drei gezielte Umfragen unter Europass-Nutzern und ‑Nichtnutzern, Arbeitgebern sowie Anbietern von allgemeiner und beruflicher Bildung) und qualitative Erkenntnisse aus ausführlichen Interviews mit Interessenträgern, gezielte qualitative Beobachtungen von Nichtnutzern, eine öffentliche Konsultation und eine Aufforderung zur Stellungnahme.
Im Rahmen dieser Bewertung wurden eine Interventionslogik sowie eine Bewertungsmatrix entwickelt. In der Matrix wurden die Bewertungskriterien mit der Interventionslogik verknüpft und die wichtigsten Elemente für die Formulierung von Forschungsfragen herangezogen.
Eine der Herausforderungen der Bewertung betrifft die strukturellen Veränderungen zwischen dem Europass-Rahmen für die Zeit vor 2018 und dem Rahmen von 2018, der einen viel breiteren Anwendungsbereich hat (und zur Einführung der neuen Plattform im Jahr 2020 geführt hat). Aus diesem Grund sind die Rahmen nur bedingt miteinander vergleichbar. Eine weitere Herausforderung betraf die Granularität der für die Erstellung der Begleitstudie verfügbaren Daten.
Für diese Bewertung wurden die Mitgliedstaaten regelmäßig über die Europass-Beratergruppe konsultiert.
2.Wichtigste Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Bewertung
In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse und Schlussfolgerungen zusammengefasst, die sich aus der Bewertung der Durchführung und der Auswirkungen des Europass-Beschlusses ergeben, und zwar im Einklang mit den fünf in den Leitlinien für eine bessere Rechtsetzung festgelegten Kriterien: Wirksamkeit, Effizienz, Kohärenz, EU-Mehrwert und Relevanz.
2.1 Wirksamkeit
Im Hinblick auf die Wirksamkeit wird die neue Europass-Plattform von Nutzerinnen und Nutzern und Interessenträgern als zentrale Anlaufstelle für Kompetenzen, Qualifikationen und Instrumente für die Mobilität der Arbeitskräfte geschätzt. Einige Europass-Funktionen sind noch nicht vollständig (Informationen über Qualifikationen und Lernangebote), da noch Daten von den nationalen Behörden fehlen. Das im Juni 2023 veröffentlichte Tool Job- und Qualifikationstrends wird voraussichtlich den Integrationsprozess der Plattform mit anderen Initiativen und Datenquellen weiter verstärken.
Die Umfrage unter Nutzern und Nichtnutzern zeigt, dass es Unterschiede bei der Nutzung von Europass-Tools und ‑Diensten gibt. Der Europass-Lebenslauf und das Europass-Bewerbungsschreiben sind die bekanntesten und am häufigsten genutzten Europass-Tools. Die meisten Europass-Nutzer (76 %) verwenden häufig oder manchmal den Lebenslauf und das Bewerbungsschreiben. Die Europass-Tools und ‑Dienste werden im Allgemeinen als nützlich angesehen. Die Mehrheit der Teilnehmer an der öffentlichen Konsultation (mindestens 80 %) hält die Tools und Dienste für nützlich oder sehr nützlich, wobei der Europass-Lebenslauf am meisten geschätzt wird (90 %). Andere Funktionen wie die Erstellung und Verfolgung von Bewerbungen, die Vorlagen für Zusätze, das Selbstbewertungsinstrument für digitale Kompetenzen und die europäischen digitalen Zertifikate werden in geringerem Umfang genutzt (37 %, 31 %, 28 % bzw. 28 % der befragten Europass-Nutzer nutzten diese Tools häufig oder manchmal). Es ist zu beachten, dass die verschiedenen Tools unterschiedlicher Art sind und etwas unterschiedliche Zielgruppen haben, wodurch sich einige der Unterschiede bei den Zahlen erklären lassen. Dies legt nahe, dass weitere Analysen erforderlich sind, um die Gründe für diese geringere Verwendung zu ermitteln. Darüber hinaus deutet es darauf hin, dass die verschiedenen Europass-Tools besser in ein optimiertes Datenanalysesystem integriert werden müssen, um den Nutzerinnen und Nutzern gezieltere Vorschläge für das Arbeiten und Lernen in Europa machen zu können.
Europass bietet Tools, Dienste und Informationen zur Unterstützung der Arbeitskräfte- und Lernmobilität in der EU und fördert die grenzüberschreitende standardisierte Darstellung. Die Tools und Dienste ermöglichen es den Nutzerinnen und Nutzern, persönliche Informationen zu präsentieren und ihre Kompetenzen, Qualifikationen und Lernergebnisse in einem standardisierten europäischen Format in bis zu 31 Sprachen zu dokumentieren. Arbeitgeber und Anbieter allgemeiner und beruflicher Bildung nutzen Europass hauptsächlich als Instrument zur Förderung der Mobilität und zur standardisierten Darstellung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen. Darüber hinaus zeigten Interviews mit Interessenträgern auf EU-Ebene und in den Mitgliedstaaten, dass sie Europass im Allgemeinen als Plattform zur Förderung der Mobilität für Beschäftigungsmöglichkeiten und Lernangebote in der EU ansehen. Die Befragten auf EU-Ebene wiesen außerdem darauf hin, dass Europass die Umsetzung anderer europäischer Strategien (z. B. EU-Mobilitätsprogramme) unterstützt.
Europass ist ein wirksames Instrument zur Förderung eines gemeinsamen Rahmens für die Transparenz und Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen in den Mitgliedstaaten. Dies beruht auf mehreren Elementen: der Verknüpfung mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen, der Veröffentlichung von Informationen über Qualifikationen und Lernangebote (auch wenn sich dieser Bereich noch in der Entwicklung befindet), gemeinsamen Vorlagen für Zusätze und europäischen digitalen Zertifikaten.
Die Kommunikation über Europass erfolgt auf EU-Ebene sowie auf nationaler Ebene unter der Federführung der nationalen Europass-Zentralstellen. Dies hat zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Endnutzern und Interessenträgern geführt. Aus den Daten der Plattform geht hervor, dass die Zahl der registrierten Nutzerinnen und Nutzer nach dem Start der neuen Plattform erheblich gestiegen ist (bis Ende 2022 wurden von ihnen mehr als 4,5 Millionen Profile erstellt). Bis zum 31. Januar 2023 verzeichnete die neue Plattform rund 32,4 Millionen einzelne Besuche und mehr als 261 Mio. Seitenaufrufe in 58,8 Mio. Sitzungen.
Der Bekanntheitsgrad von Europass ist von Land zu Land unterschiedlich. Eine Umfrage unter Nutzern und Nichtnutzern in zehn Ländern ergab, dass Europass in Portugal, Rumänien und Kroatien am bekanntesten ist: 88 %, 79 % bzw. 77 % der Umfrageteilnehmer kannten Europass. Zwei Länder, in denen Europass weniger bekannt ist, sind Frankreich und Deutschland (24 % bzw. 19 %). Den Daten der Plattform für 2022 und den Eurostat-Statistiken zur EU-Bevölkerung zufolge sind die meisten Europass-Nutzer (insgesamt) in Italien, Portugal und Rumänien zu verzeichnen. Auch der Anteil der Europass-Profile an der Gesamtbevölkerung ist in diesen Ländern höher. Der Anteil der Profile (an der Gesamtbevölkerung) pro Land beträgt für Portugal 4,5 %, für Rumänien 1,9 % und für Italien 1,8 %. Auch in Malta, Kroatien, Slowenien und Lettland ist der Anteil der Profile (an der Gesamtbevölkerung) verhältnismäßig hoch. Zu den Ländern mit einem relativ geringen Anteil an Europass-Nutzern (im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung) gehören Dänemark, Schweden, Deutschland, die Niederlande, Polen, Frankreich und Irland. Sowohl seitens der Kommission als auch seitens der nationalen Europass-Zentralstellen könnten mehr Maßnahmen ergriffen werden, um Europass in den Ländern zu fördern, in denen die Plattform weniger bekannt ist und weniger genutzt wird.
Die meisten Europass-Nutzer sind unter 35 Jahre alt und verfügen über ein hohes Bildungsniveau. Die hohe Attraktivität von Europass für junge Menschen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen, ist eine besondere Stärke, die es auszubauen gilt. Frauen sind in der Nutzerschaft leicht unterrepräsentiert. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer verfügen über ein gewisses Maß an Berufserfahrung. Was die Profilsprachen betrifft, so wird Englisch am häufigsten verwendet, gefolgt von Italienisch, Portugiesisch und Rumänisch. Die übrigen Sprachen werden weniger genutzt.
Die Barrierefreiheit der Plattform hat sich seit ihrer Einführung verbessert. Dennoch gibt es nach wie vor Probleme, die verschiedene Personengruppen betreffen, darunter Menschen mit geringeren digitalen Kompetenzen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Fehlende digitale Kompetenzen werden als Haupthindernis für die Zugänglichkeit betrachtet.
Zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der öffentlichen Konsultation bewerteten die Plattform als benutzerfreundlich. Die Befragten bemängelten jedoch auch die Komplexität der Plattform, die ihrer Meinung nach zu einer geringeren Benutzerfreundlichkeit und einer weniger intuitiven Nutzung führt.
2.2 Effizienz
Was die Haushaltsmittel für die Entwicklung und Umsetzung von Europass anbelangt, so dürften der erhebliche Anstieg der Zahl neuer Nutzerinnen und Nutzer seit der Einführung der Plattform im Juli 2020 (zwischen Juli 2020 und Dezember 2022 wurden durchschnittlich 150 000 Profile pro Monat erstellt) und die erwartete Stabilität der Kosten in den kommenden Jahren in Verbindung mit der Reife der Plattform und der Fertigstellung der meisten Tools dazu beitragen, die Kosten pro Europass-Profil zu senken (Kosten pro zusätzlichem Europass-Profil im Jahr 2022: 1,22 EUR). Die Kostenwirksamkeit der Plattform hat sich zwischen 2021 und 2022 verbessert, und es wird erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt, da digitale Plattformen in der Regel niedrige Grenzkosten für zusätzliche Nutzer haben.
Seit 2018 ist die Governance effizienter als zuvor, was auf eine solidere Struktur auf mehreren Ebenen und die breitere Verteilung der Zuständigkeiten und Aufgaben sowohl von der Kommission auf die Mitgliedstaaten als auch zwischen verschiedenen Organisationen auf EU- und nationaler Ebene zurückzuführen ist. Die Interessenträger und die nationalen Europass-Zentralstellen wiesen darauf hin, dass mehr Ressourcen benötigt werden, da zusätzliche Aufgaben zu bewältigen sind und die neue Plattform mehr Tools und Dienste als die vorherige umfasst. Die Tatsache, dass zusätzliche Aufgaben mit vergleichbaren Mitteln wie vor der Einführung der Plattform im Juli 2020 wahrgenommen werden, belegt eine Verbesserung der Kostenwirksamkeit.
Die Interessenträger erkennen an, dass erhebliche Anstrengungen unternommen wurden, um die Benutzerfreundlichkeit von Europass zu verbessern und technische Probleme zu beheben. Dazu gehört auch eine deutliche Verringerung der von Endnutzern gemeldeten Fehler im zweiten Halbjahr 2022 und im ersten Halbjahr 2023. Die Interessenträger sind der Ansicht, dass mehr Gewicht auf die Lösung der technischen Probleme der Plattform als auf die Entwicklung neuer Tools gelegt werden sollte. Dies würde dazu beitragen, die Plattform funktionaler zu gestalten, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ihre Benutzerfreundlichkeit zu verbessern.
2.3 Kohärenz
Europass ist in einen breiteren politischen Kontext eingebettet. Die Europass-Plattform unterstützt direkt die Europäische Kompetenzagenda, den europäischen Bildungsraum und Europas digitale Dekade. Viele der Initiativen der Europäischen Kompetenzagenda stützen sich bei ihrer praktischen Umsetzung auf EU-Ebene auf Europass, z. B. bei der Erfassung von Daten über Kompetenzen. Darüber hinaus trägt Europass zu den Prioritäten des europäischen Bildungsraums bei, die darin bestehen, Qualität, Gerechtigkeit, Inklusion und Erfolg in der allgemeinen und beruflichen Bildung für alle zu verbessern und lebenslanges Lernen und Mobilität für alle zu verwirklichen. Schließlich steht die Weiterentwicklung von Europass von einer Plattform mit fünf Dokumentenvorlagen zu einer zentralen digitalen Lösung in direktem Zusammenhang mit Europas digitaler Dekade.
Europass ist eng mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen verknüpft, da Informationen über den Rahmen und die Instrumente (Vergleichsinstrument, Verknüpfung der nationalen Qualifikationsregister) in Europass integriert sind. Europass steht auch im Einklang mit den Prioritäten der Kommission von der Leyen: „Ein Europa für das digitale Zeitalter“ und „Eine Wirtschaft im Dienste der Menschen“. Darüber hinaus bietet Europass starke Synergien und technische Interoperabilität mit EU-Instrumenten und ‑Initiativen in den Bereichen Beschäftigung, allgemeine und berufliche Bildung und Beratung, wie EURES, Europäische Klassifikation der Fähigkeiten, Kompetenzen, Qualifikationen und Berufe (ESCO), Erasmus+ und Europäisches Register für Qualitätssicherung in der Hochschulbildung (EQAR). In diesem Zusammenhang könnten mehr Synergien zwischen Europass und anderen europäischen und nationalen Plattformen geschaffen werden, die ähnliche Instrumente und Dienste anbieten (z. B. Informationen über Kompetenzen, Berufsberatung, allgemeine und berufliche Bildung und Arbeitsmarktinformationen). Weitere Synergien mit EURES könnten in Zusammenarbeit mit der Europäischen Arbeitsbehörde (ELA) erzielt werden, und zwar durch ein einziges Programm zur Lebenslauf- und Profilerstellung, die Angleichung der visuellen Identitäten unter Beibehaltung des eigenen Brandings, die Verbesserung der Navigation zwischen den beiden Plattformen und die Sicherstellung der Komplementarität der Dienste der beiden Plattformen.
2.4 EU-Mehrwert und Wirkung
Europass bietet einen Mehrwert durch einzigartige, mehrsprachige und standardisierte kostenlose Tools und Dienste sowie durch den Zugang zu Informationen über Beschäftigungsmöglichkeiten, Lernangebote und Qualifikationen. Die standardisierten Instrumente helfen Arbeitgebern und Anbietern allgemeiner und beruflicher Bildung in den EU-Mitgliedstaaten und anderen Europass-Ländern, den Bildungs- und Berufshintergrund von Bewerberinnen und Bewerbern besser zu verstehen und zu vergleichen und ihre Kompetenzen mit den Stellenanforderungen abzugleichen.
Damit unterstützt Europass die grenzüberschreitende Lern- und Arbeitskräftemobilität von Arbeitsuchenden und trägt so zur Bekämpfung des Fach- und Arbeitskräftemangels in der EU bei. Darüber hinaus tragen die standardisierten Instrumente und Dienste von Europass zur Chancengleichheit der Bewerberinnnen und Bewerber bei. Den Teilnehmern der qualitativen Beobachtungen zufolge gilt dies insbesondere für junge Menschen beim Übergang von der allgemeinen und beruflichen Bildung in den Arbeitsmarkt.
Derzeit wird Europass in mehreren europäischen Ländern (z. B. Portugal, Rumänien und Italien) als Standard für Bewerbungen im öffentlichen Sektor verwendet. Europass kann auch eine bedeutende Rolle bei der Standardisierung von Instrumenten und Diensten innerhalb eines Landes spielen, in dem die Arbeitsmarktpolitik sich in den einzelnen Regionen unterscheidet. Darüber hinaus schließt Europass Lücken, wenn keine gleichwertigen nationalen Alternativen zur Verfügung stehen.
Was die Nutzung von Europass im privaten Sektor betrifft, so kennen 66 % der Arbeitgeber, die an der Umfrage teilgenommen haben, Europass und 44 % nutzen die Plattform. Standardisierung führt zu mehr Kohärenz und Vergleichbarkeit der Kompetenzen in den europäischen Ländern. Die Förderung der Akzeptanz von Europass könnte dazu beitragen, dass Europass zu einem Standard nicht nur für öffentliche Verwaltungen, sondern auch für EU-Initiativen, Mobilitätsprogramme und verschiedene Arbeitsmarkt- und Berufsbildungseinrichtungen wird.
Die meisten Teilnehmer an der öffentlichen Konsultation (77 %) sehen den wichtigsten Vorteil von Europass in der Bereitstellung kostenloser Dienste, gefolgt von standardisierten Vorlagen und mehrsprachigen Funktionen der Plattform (66 % bzw. 65 %).
2.5 Relevanz
Angesichts der Notwendigkeit, die Qualifikationen und Kompetenzen der Menschen in einem europäischen Kontext zu verstehen, und der Bedeutung, die der Förderung der Mobilität der Arbeitskräfte in der EU zukommt, sowie angesichts der Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung wird Europass wahrscheinlich relevant bleiben. In diesem Zusammenhang wäre es wichtig, das Datenanalysesystem von Europass weiterzuentwickeln. Dies wird es ermöglichen, die Interaktionsdaten der Nutzer aus den verschiedenen Tools der Plattform zu verwenden, um Vorschläge für das Arbeiten und Lernen in Europa zu personalisieren.
Informationen und Beratung zu Beschäftigungsmöglichkeiten werden über das EURES-Tool für die Stellensuche und länderspezifische Informationen sowohl über Europass als auch über EURES bereitgestellt. Mehr sektor- oder branchenspezifische Informationen könnten die Attraktivität und Relevanz der Europass-Tools weiter erhöhen.
Hinsichtlich der Informationen über lebenslanges Lernen und transnationale Mobilität zu Lernzwecken ist Europass auf die Bereitstellung von Informationen über Qualifikationen und Lernangebote durch die Mitgliedstaaten und Europass-Länder angewiesen.
Informationen über Beschäftigungsmöglichkeiten und Lernangebote werden von jüngeren Menschen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen, und von Menschen aus Nicht-EU-Ländern (Europäischer Wirtschaftsraum, Kandidatenländer und potenzielle Kandidatenländer) als besonders wichtig angesehen.
Individuellere Leitlinien könnten die Relevanz der Europass-Tools weiter erhöhen. Personalisierte Empfehlungen zu Beschäftigungsmöglichkeiten könnten auch dazu beitragen, Qualifikationsdefizite und Arbeitskräftemangel zu beheben. Dies würde mehr nationale Informationen über die Berufsberatung erfordern, die für die Nutzerinnen und Nutzer in Europass integriert werden könnten.
3.Gewonnene Erkenntnisse
Europass unterstützt die Ziele des Europäischen Jahres der Kompetenzen, um die Relevanz von Kompetenzen zu stärken und die Erwartungen, Bedürfnisse und Kompetenzen der Menschen mit den Anforderungen und Möglichkeiten des Arbeitsmarktes in Einklang zu bringen. Informationen und Orientierungshilfen zu den auf dem Arbeitsmarkt benötigten Kompetenzen werden von Nutzern und Interessenträgern als sehr wichtig erachtet. Europass umfasst auch Instrumente, die den Nutzerinnen und Nutzern helfen, über ihre Kompetenzen und Interessen nachzudenken.
Europass ist bereits mit mehreren EU-Initiativen wie EURES, ESCO, dem Europäischen Qualifikationsrahmen und dem Europäischen Lernmodell verknüpft. Darüber hinaus könnten die Interoperabilität und Synergien von Europass mit anderen relevanten EU- und nationalen Portalen, einschließlich nationaler Beratungsdienste, weiter untersucht werden.
Europass ist für die Stellensuche relevant, und durch den Zugang zum EURES-Tool für die Stellensuche wird der Bedarf an Informationen und Beratung über Beschäftigungsmöglichkeiten erfüllt. Stärkere Synergien zwischen Europass und EURES könnten die Wirkung der beiden Plattformen verstärken und allen Nutzerinnen und Nutzern zugutekommen.
Die Mitgliedstaaten und die Europass-Länder müssen weitere Anstrengungen zur Entwicklung von Datenbanken und Registern für Qualifikationen und Lernangebote unternehmen. Diese würden über das Register der Qualifikationsdatensätze mit der Europass-Plattform verknüpft, sodass die Informationen den Europass-Nutzern zur Verfügung stehen.
Würde Europass von mehr Interessenträgern als Standardinstrument zur Erstellung von Profilen für Lernzwecke und Beschäftigung in der EU sowie im Rahmen von EU-Initiativen und ‑Mobilitätsprogrammen verwendet, hätte dies zur Folge, dass mehr Endnutzer die Instrumente und Dienste nutzen, was zu Skaleneffekten führen würde. Dadurch würden auch die Relevanz und die Wirkung von Europass weiter gestärkt. Darüber hinaus könnte die Akzeptanz von Europass im privaten Sektor weiter untersucht werden. In Bezug auf die geografische Abdeckung könnten sich die Europass-Werbemaßnahmen auf Länder konzentrieren, in denen Europass weniger bekannt ist und weniger genutzt wird. Zwar ist die Attraktivität von Europass für junge Menschen eine besondere Stärke, die es auszubauen gilt, doch die Werbemaßnahmen könnten sich auch auf Menschen über 35 Jahre konzentrieren.
Es muss ein Gleichgewicht zwischen der weiteren Integration neuer EU-Initiativen in Europass (was zu einer größeren Komplexität führt) und der Benutzerfreundlichkeit der Plattform gewährleistet werden.
Damit Europass sein volles Potenzial als Plattform für Laufbahnmanagement und lebenslanges Lernen entfalten kann, könnten die Informationen über Berufsberatung, Validierungsmöglichkeiten und die Anerkennung von Qualifikationen verbessert werden, da die derzeitigen Informationen auf der Plattform eher allgemein gehalten sind. Dies würde insbesondere eine stärkere Verbindung zu den nationalen Diensten und Einrichtungen erfordern.
Die Verwendung von Europass als Lösung zur Darstellung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen in standardisierter Form ist im Kontext der Mobilität zu Arbeits- und Lernzwecken in der gesamten EU besonders wirksam.
Es besteht eindeutig die Notwendigkeit, die Infrastruktur der europäischen digitalen Zertifikate zu vervollständigen, deren Potenzial zu nutzen, um die Mitgliedstaaten bei der digitalen Transformation von Zertifikaten zu unterstützen, und die Interoperabilität zwischen nationalen Zertifikatsplattformen auf EU-Ebene sicherzustellen.
Der Einsatz von Datenanalysen und künstlicher Intelligenz im Rahmen von Europass könnte weiter ausgebaut werden. Personalisierte Empfehlungen zu Beschäftigungsmöglichkeiten könnten dazu beitragen, Qualifikationsdefizite und Arbeitskräftemangel zu beheben.
Um die Benutzerfreundlichkeit der Europass-Plattform zu verbessern, muss der Lösung technischer Probleme Vorrang vor der Entwicklung neuer Instrumente eingeräumt werden. Dadurch würde die Plattform funktioneller, besser sichtbar und benutzerfreundlicher.
Künftige Entwicklungen für Europass könnten auf dem Konzept der „integrierten Barrierefreiheit“ basieren, um sicherzustellen, dass die Plattform für so viele Menschen wie möglich zugänglich ist, darunter Menschen mit geringeren digitalen Kompetenzen, ältere Menschen, Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderungen. Durch die Umsetzung dieser Grundsätze könnte Europass zur Förderung von Inklusion und Chancengleichheit beitragen.
Um die Auswirkungen und die Nutzung von Europass zu messen, könnten ein Datenüberwachungsplan aufgestellt und regelmäßige Erhebungen zur Nutzerzufriedenheit durchgeführt werden.
Diese Bewertung ermöglicht es, die Anstrengungen auf die Umsetzung von Verbesserungen zu konzentrieren, die sich aus den gewonnenen Erkenntnissen ableiten lassen. Einige Verbesserungen werden bereits umgesetzt. Für diese und künftige Entwicklungen sind weitere Anstrengungen und Engagement sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene erforderlich.